Viele Probleme in Adobe Premiere Pro wirken auf den ersten Blick wie „Performance-Themen“ – dabei ist oft nur die Ablage der Arbeitsdateien ungünstig gewählt. Genau hier setzen Scratch Disks an: Sie bestimmen, wo Premiere Pro Vorschauen, Auto-Saves, Captures und weitere Projektdateien ablegt. Mit einer sauberen Struktur lassen sich Abstürze durch volle Laufwerke vermeiden, Projekte leichter verschieben und der Schnitt bleibt stabil – auch wenn mehrere Jobs parallel laufen.
Scratch Disks in Premiere Pro: Was wird wo gespeichert?
Scratch Disks sind Speicherziele für Dateien, die Premiere Pro während der Arbeit erzeugt oder verwaltet. Das ist nicht dasselbe wie „Projekt speichern“: Das .prproj-Projekt bleibt nur die Projektdatei, während Preview-Dateien, Auto-Saves und Captures zusätzlich auf Datenträgern landen.
Typische Scratch-Disk-Arten (einfach erklärt)
- Projekt-Autosave: automatische Sicherungskopien der Projektdatei in einem eigenen Ordner.
- Captured Video / Captured Audio: Material, das direkt in Premiere aufgenommen oder „captured“ wird (heute seltener, aber weiterhin vorhanden).
- Video Previews / Audio Previews: Vorschau-Dateien fĂĽr Render-Vorschauen in der Timeline (wichtig bei Effekten, Skalierung, komplexen Layers).
- CC Libraries Downloads: lokal gespeicherte Inhalte aus Creative Cloud Libraries (z. B. Grafiken).
- Motion Graphics Template Media: Medien, die bei MOGRTs (Essential Graphics) mitgebracht werden.
Entscheidend: Diese Daten können schnell groß werden. Besonders Preview-Dateien wachsen bei langen Timelines oder häufigem Rendern deutlich.
Warum falsche Scratch-Disks zu typischen Problemen fĂĽhren
Wenn die Scratch Disks ungünstig konfiguriert sind, tauchen immer wieder ähnliche Symptome auf:
- Systemlaufwerk wird voll, obwohl das Projekt „auf einer anderen Platte“ liegt.
- Premiere Pro wird langsamer, weil OS, Cache und Preview-Dateien um dieselbe Platte konkurrieren.
- Ein Projekt wird auf einen anderen Rechner kopiert, aber Auto-Saves oder Vorschauen liegen verstreut und fehlen.
- Nach einem Laufwerkswechsel landen neue Vorschauen im Nirgendwo, weil noch auf ein altes Ziel verwiesen wird.
Gerade auf Laptops ist das häufig: Projekte liegen auf einer externen SSD, aber die Vorschauen gehen standardmäßig auf die interne Systemplatte – und die ist irgendwann voll.
Scratch Disks einstellen: sinnvoller Workflow fĂĽr stabile Projekte
Die Einstellung findet sich pro Projekt unter „Datei > Projekteinstellungen > Scratch Disks“ (Bezeichnung kann je nach Sprache variieren). Wichtig: Scratch Disks sind in erster Linie projektspezifisch. Das macht es möglich, pro Job eine passende Struktur zu fahren.
Best Practice: Projektbezogen statt „irgendwo auf C:“
Für die meisten Workflows funktioniert eine einfache Regel besonders zuverlässig: Scratch-Dateien gehören in oder neben den Projektordner. So bleibt alles zusammen und lässt sich leichter archivieren oder auf einen anderen Rechner verschieben.
Praktische Ordnerstruktur (Beispiel):
- Projektname/
- Projektname/Footage/
- Projektname/Audio/
- Projektname/Exports/
- Projektname/Previews/
- Projektname/Auto-Saves/
Damit landen Vorschauen und Auto-Saves nicht auf der Systemplatte, sondern im Projektkontext. Das reduziert „versteckte“ Speicherfresser deutlich.
Wann getrennte Laufwerke wirklich Sinn ergeben
Getrennte Laufwerke können Vorteile bringen, sind aber nicht zwingend. Eine gute Faustregel für die Praxis: Trennung lohnt sich vor allem, wenn sehr große Projekte laufen oder die Systemplatte knapp ist.
- System/Programme: interne SSD (Betriebssystem, Premiere Pro)
- Medien: schnelle SSD (intern oder extern)
- Previews/Auto-Saves: idealerweise dort, wo auch das Projekt liegt (oder auf einer zweiten schnellen SSD, wenn mehrere Editoren/Jobs parallel laufen)
Wichtig: Eine langsame HDD als Ziel fĂĽr Preview-Dateien kann Render-Vorschauen ausbremsen. Wenn nur eine Platte vorhanden ist, ist eine saubere Ordnerstruktur wichtiger als eine komplizierte Aufteilung.
So geht’s: Scratch Disks sauber einrichten (Kurz-Anleitung)
- Projekt öffnen und „Projekteinstellungen > Scratch Disks“ aufrufen.
- Bei jeder Kategorie prüfen, ob „Dokumente“/Systempfad als Ziel eingetragen ist.
- Ziel auf „Gleich wie Projekt“ stellen oder einen eigenen Unterordner im Projektordner wählen (z. B. „Previews“, „Auto-Saves“).
- Projekt speichern, kurz schließen und erneut öffnen (hilft, um Pfade sauber zu übernehmen).
- Im Projektordner kontrollieren, ob Auto-Saves und Previews wirklich dort geschrieben werden.
Scratch Disks vs. Media Cache: nicht verwechseln
Ein häufiger Stolperstein: Scratch Disks und Media Cache sind zwei getrennte Baustellen. Scratch Disks betreffen projektbezogene Arbeitsdateien (z. B. Previews, Auto-Saves). Der Media Cache speichert dagegen Analyse- und Cache-Daten wie Audio-Wellenformen oder konforme Audiodateien, die Premiere Pro für flüssiges Arbeiten anlegt.
Wenn Premiere Pro träge reagiert oder Audio-Wellenformen ständig neu aufgebaut werden, liegt das oft am Cache-Management. Dafür passt der Artikel zu Premiere Pro Performance verbessern – ruckelfrei schneiden thematisch sehr gut.
Wann Cache-Aufräumen sinnvoll ist
Cache-Dateien dürfen groß werden. Das ist normal – sie beschleunigen die Arbeit. Sinnvoll ist Aufräumen, wenn:
- ein Laufwerk knapp wird,
- alte Projekte Cache-Platz belegen,
- Fehler auftreten (z. B. Playback-Probleme nach Medien- oder Sample-Rate-Wechsel).
Das Cache-Thema ist ein eigener Block in den Einstellungen. Scratch Disks lösen diese Probleme nicht automatisch.
Entscheidungshilfe: Welche Einstellung passt zu welchem Projekt?
Nicht jedes Projekt braucht dieselbe Struktur. Diese einfache Entscheidungshilfe deckt die häufigsten Fälle ab:
- Wenn Projekte oft auf andere Rechner/Teams wandern:
- Scratch Disks auf „Gleich wie Projekt“ oder in Projekt-Unterordner legen.
- Auto-Saves immer projektbezogen speichern.
- Wenn die Systemplatte klein ist:
- Previews und Auto-Saves konsequent auf ein Projektlaufwerk legen.
- Cache auf ein Laufwerk mit ausreichend freiem Platz verschieben.
- Wenn hauptsächlich kurze Social-Clips geschnitten werden:
- Ein Laufwerk reicht meist, solange Ordner sauber organisiert sind.
- Render-Vorschauen nur bei Bedarf erzeugen.
- Wenn viele Effekte/Color-Grading genutzt werden:
- Preview-Ziel auf eine schnelle SSD setzen.
- Sequenz-Preview-Codec passend wählen (siehe nächster Abschnitt).
Preview-Dateien verstehen: warum Sequenz-Einstellungen mit reinspielen
Scratch Disks bestimmen, wo Preview-Dateien landen. Wie diese Previews geschrieben werden, hängt zusätzlich von den Sequenz-Einstellungen ab (Preview-Dateiformat/Codec). Das wird relevant, wenn häufig gerendert wird, etwa bei aufwendigen Effekten oder viel Skalierung.
Praxis-Tipp: Vorschauen nur rendern, wenn sie wirklich gebraucht werden
Render-Vorschauen helfen, wenn die Timeline ruckelt oder wenn ein Export „Previews verwenden“ nutzen soll. Für viele Projekte reicht aber ein sauberer Proxy- oder Performance-Workflow. Wer regelmäßig mit hochauflösendem Material arbeitet, spart oft mehr Zeit mit einem Proxy-Setup als mit ständigem Rendern. Dazu passt Premiere Pro Proxy-Workflow – 4K flüssig schneiden.
Wenn der Export Previews nutzt: Speicherort vorher prĂĽfen
Beim Export kann die Option „Previews verwenden“ (Wortlaut je nach Version) sinnvoll sein – aber nur, wenn die Previews aktuell und vollständig sind. Liegen Preview-Dateien auf einem externen Laufwerk, das nicht angeschlossen ist, kann das Projekt plötzlich wieder rendern müssen oder Warnungen ausgeben. Deshalb: vor dem Export kurz prüfen, ob das Scratch-Ziel verfügbar ist.
Für Export-Entscheidungen (H.264 vs. HEVC, typische Stolperfallen) hilft Premiere Pro Export-Einstellungen: H.264 & HEVC richtig wählen.
Mini-Checkliste: Scratch Disks fĂĽr Ordnung, Backup und Umzug
- Liegt Projekt-Autosave im Projektordner (oder einem klaren Auto-Saves-Ordner)?
- Werden Video-/Audio-Previews nicht auf der Systemplatte „versteckt“ gespeichert?
- Gibt es pro Projekt einen eigenen Previews-Ordner (statt Sammelordner fĂĽr alle Jobs)?
- Ist das Ziel-Laufwerk dauerhaft verfĂĽgbar (bei externen SSDs: immer derselbe Laufwerksbuchstabe/Name)?
- Wird das Projekt archiviert, inklusive Previews nur dann, wenn es wirklich gebraucht wird (sonst Platz sparen)?
FAQ: häufige Fragen zu Scratch Disks in Premiere Pro
Kann das Umstellen der Scratch Disks ein Projekt kaputtmachen?
Normalerweise nicht. Scratch Disks betreffen vor allem Arbeits- und Hilfsdateien. Fehlen sie, erzeugt Premiere Pro sie bei Bedarf neu. Ausnahme: Captured-Dateien sind echte Medien. Wenn Capture-Ziele verschoben werden, sollten diese Medien wie normales Footage behandelt und sauber mitumgezogen werden.
Warum ist trotz Projekt auf externer SSD die interne Platte voll?
Häufig liegen Scratch Disks oder der Media Cache weiterhin auf dem Standardpfad der Systemplatte. Lösung: Scratch Disks projektbezogen setzen und zusätzlich den Cache-Speicherort in den Einstellungen kontrollieren.
Was tun, wenn nach dem Verschieben des Projekts Dateien offline sind?
Wenn echte Medien verschoben wurden, hilft Relink (Medien neu verbinden). Das ist unabhängig von Scratch Disks. Für den schnellen Ablauf passt Premiere Pro Relink: Medien offline schnell wiederfinden.
Sollten Preview-Dateien regelmäßig gelöscht werden?
Nur bei Bedarf. Preview-Dateien beschleunigen Playback und können Exporte unterstützen. Wenn Speicherplatz knapp ist oder ein Projekt abgeschlossen wurde, können Previews gelöscht werden – Premiere Pro erstellt sie bei Bedarf neu.
Gilt das alles auch in aktuellen Premiere-Pro-Versionen?
Ja. Die Grundlogik der Scratch Disks ist seit vielen Versionen stabil. Menübezeichnungen können je nach Sprache und Version leicht variieren, die Kategorien und der Nutzen bleiben jedoch gleich.
Wer Scratch Disks konsequent projektbezogen organisiert, reduziert typische Alltagsprobleme: weniger volle Systemplatten, weniger Sucherei beim Projektumzug und insgesamt ein verlässlicherer Workflow – besonders, wenn mehrere Jobs parallel laufen.

