Ein Set gut gestalteter Icons macht eine Oberfläche ruhiger, verständlicher und professioneller. In vielen Projekten entstehen Symbole jedoch „nebenbei“ – jedes Teammitglied zeichnet etwas anderes, Format und Strichstärke variieren, im Code liegen alte Versionen. Das Ergebnis: inkonsistente UI, höhere Entwicklungskosten und verwirrte Nutzer.
Dieser Leitfaden zeigt, wie Icons als fester Bestandteil eines Designsystems aufgebaut und gepflegt werden – von der Planung über die Gestaltung bis zur Einbindung in Komponentenbibliotheken.
Icon-Guidelines im Designsystem definieren
Bevor das erste Symbol gezeichnet wird, hilft ein klares Regelwerk. Es sorgt dafür, dass alle Icons zueinander passen – unabhängig davon, wer sie erstellt.
Icon-Größe, Raster und Strichstärke festlegen
Icons sollten auf einem wiederkehrenden Raster (Grid) basieren. Üblich sind etwa 16, 20, 24 oder 32 Pixel als Grundgröße. Wichtig ist: Ein Format wählen und konsequent bleiben.
Praktische Basisregeln:
- Ein einheitliches Icon-Grid definieren (z. B. 24 Ă— 24 px) und in Figma, Sketch oder Illustrator als Vorlage anlegen.
- Klare Strichstärke (Stroke) bestimmen, etwa 1,5 oder 2 px, damit alle Symbole optisch gleich „schwer“ wirken.
- Runde Ecken (Corner Radius) und Endkappen (rund/abgeflacht) definieren und dokumentieren.
Im Designsystem sollte eine Seite oder ein Abschnitt „Icon Style“ diese Regeln mit visuellen Beispielen zeigen. So sehen Designer sofort, was erlaubt ist.
Stilistik und Detailgrad fĂĽr Icons bestimmen
Icons können gefüllt, nur konturiert, detailliert oder sehr reduziert sein. Ein gemischter Stil wirkt schnell unruhig. Einmal festlegen, was zur Marke passt:
- Outline-Icons (nur Kontur) fĂĽr leichte, moderne Interfaces.
- Filled Icons (Flächen) für starke Kontraste und mobile Anwendungen.
- Hybrid-Stil vermeiden, auĂźer es ist bewusst als System definiert.
Auch der Detailgrad sollte klar geregelt sein: Ein Zahnrad-Icon mit 16 kleinen Zähnen neben einem sehr simplen Mülleimer wirkt widersprüchlich. Besser: Wenige, klare Formen, die auch in kleinen Größen lesbar bleiben.
Icon-Set planen: Welche Symbole braucht die UI wirklich?
Statt spontan einzelne Symbole zu zeichnen, lohnt eine strukturierte Planung. So entstehen keine doppelten oder widersprĂĽchlichen Bedeutungen.
Icon-Bedarf aus Navigation und Funktionen ableiten
Ein guter Startpunkt ist die bestehende Produktstruktur: Navigation, Hauptfunktionen, wiederkehrende Aktionen. Typische Quellen sind:
- Hauptnavigation und Footer-MenĂĽs
- Buttons (Speichern, Löschen, Teilen, Download)
- Formular-Elemente (Suchen, Filtern, Kalender)
- Statusanzeigen (Erfolg, Warnung, Fehler, Info)
Diese Funktionen lassen sich in einer Tabelle sammeln und einem gewünschten Icon-Namen zuordnen. So entsteht eine erste Liste für das Icon-Set – idealer Weise mit Spalten für Name, Bedeutung und Beispiel-Nutzung.
Benennungsregeln fĂĽr Icons vereinheitlichen
Klare Namen sind wichtig, damit Designer, Entwickler und Redakteure nicht aneinander vorbeireden. „Plus“ kann für „Hinzufügen“, „Vergrößern“ oder „Zoom“ stehen – besser, jeder Use Case erhält einen eindeutigen Namen, etwa:
- icon-add (Element hinzufĂĽgen)
- icon-zoom-in (Zoom-Funktion)
- icon-expand (Bereich aufklappen)
So wird transparent, wofĂĽr ein Icon gedacht ist. Wer bereits ein Designsystem mit Design-Token nutzt, kann Namen und Icon-Funktionen dort sauber mitfĂĽhren.
Icons erstellen: Figma, Illustrator & Co im System nutzen
Ob Figma, Illustrator oder ein anderes Vektorprogramm genutzt wird – wichtig ist ein konsistenter Workflow. So bleiben Icons pixelgenau und leicht zu pflegen.
Vektor-Icons in Figma sauber anlegen
Für viele Teams ist Figma die zentrale Designplattform. Dort lassen sich Icons als Komponenten definieren und später in Bibliotheken teilen.
Empfohlener Ablauf:
- Ein Icon-Grid-Frame anlegen (z. B. 24 Ă— 24 px) und als Vorlage speichern.
- Alle Pfade auf ganze Pixel ausrichten („Snap to pixel grid“), um unscharfe Konturen zu vermeiden.
- Jedes Icon als Komponente mit eindeutigem Namen anlegen (z. B. „icon / navigation / home“).
- Farb- und Effektwerte aus zentralen Design-Tokens beziehen, statt direkt Farbcodes zu verwenden.
Wer bereits ein Designsystem in Figma pflegt, kann Icons dort als eigene Sektion aufnehmen. So sind sie fĂĽr alle Projekte nutzbar.
SVG-Export und Optimierung fĂĽr das Web
Für Web und Apps hat sich SVG als Standardformat für Icons etabliert. SVG bleibt vektorbasiert, ist leichtgewichtig und flexibel färbbar.
FĂĽr saubere SVG-Icons im Code hilft Folgendes:
- Beim Export auf korrekte Größe und ViewBox achten (z. B. 0 0 24 24).
- ĂśberflĂĽssige Gruppen, IDs und Metadaten entfernen (z. B. ĂĽber einen SVG-Optimizer).
- Füllfarben optional mit „currentColor“ definieren, damit Icons die Textfarbe der Umgebung erben.
So bleiben Icons flexibel: Ein Button kann dieselbe SVG-Datei nutzen, aber in Hell, Dunkel oder in Markenfarbe erscheinen – ohne mehrere Dateien zu pflegen.
Icons in UI-Komponenten und Code integrieren
Ein gutes Icon-Set entfaltet seine Stärke erst, wenn es nahtlos in UI-Bibliotheken und Code-Strukturen eingebettet ist. Ziel ist, dass Designer und Entwickler dieselben Bausteine nutzen.
Icon-Komponenten in Design und Frontend spiegeln
In modernen Frontend-Stacks (React, Vue, Angular) werden Icons häufig als eigene Komponenten oder als Teil eines Symbol-Fonts eingebunden. Je konsistenter die Struktur, desto weniger Abstimmungsaufwand.
Beispiele fĂĽr eine einheitliche Struktur:
- Im Design: „Icon / State / Name“ (z. B. „Icon / Static / Check“).
- Im Code: <Icon name=“check“ /> oder import CheckIcon from „…“.
Wichtig ist, dass Namen, Varianten (z. B. „filled“, „outline“) und Größen in Design- und Codewelt identisch sind. Dokumentation im Designsystem verhindert Missverständnisse.
Icons und Barrierefreiheit (A11y) berĂĽcksichtigen
Icons sollen nicht nur schön, sondern auch verständlich sein – auch für Nutzende mit Screenreader oder schlechtem Sehvermögen.
Grundprinzipien fĂĽr barrierearme Icons:
- Icons, die eine Funktion alleine tragen (nur ein „MĂĽlleimer“ als Button), brauchen ein zugängliches Label (z. B. aria-label=“Löschen“).
- Reine Dekoration (z. B. Zier-Icons) fĂĽr Screenreader verstecken (role=“presentation“ oder aria-hidden=“true“).
- Ausreichende Kontraste sicherstellen, vor allem bei Status-Icons (Fehler, Warnung, Erfolg).
Wo Icons Text ersetzen, sollten Form und Symbolik möglichst eindeutig sein. Ein Disketten-Icon für „Speichern“ ist vielerorts noch etabliert, kann aber in neuen Zielgruppen erklärungsbedürftig sein. Hier hilft Nutzerfeedback – etwa aus Usability-Tests.
Icon-Library pflegen: Versionierung, Governance, Qualität
Ein Icon-Set ist kein statisches Artefakt. Neue Features, Markenupdates oder Plattformwechsel führen zu Änderungen. Ohne klare Pflegeprozesse entsteht schnell Chaos.
Versionierung und Freigabeprozess definieren
Es lohnt sich, Icons wie Code zu behandeln: mit Versionierung, Review und Freigabe.
- Änderungen an Icons in Changelogs dokumentieren (z. B. „icon-search: Linienstärke angepasst“).
- Neue Icons nur nach Design-Review und technischer PrĂĽfung freigeben.
- Alte Varianten markieren (Deprecated) und geplante Ablösedaten kommunizieren.
Wer bereits Prozesse für Komponenten hat, kann diese auf Icons ausweiten. Das spart Diskussionen à la „Warum sieht das Such-Icon plötzlich anders aus?“.
Icon-Dokumentation im Designsystem aufbauen
Gute Dokumentation ist die zentrale Stelle, an der alle Fragen zu Icons beantwortet werden. Sie sollte mindestens enthalten:
- Ein Icon-Ăśbersichtsboard mit Kategorien (Navigation, Aktionen, Medien, Status).
- Darstellung der Größen, Strichstärken und Farben.
- Code-Beispiele (Snippet), wie Icons in Komponenten eingebunden werden.
- Do/Don’t-Beispiele (z. B. nicht verzerren, nicht drehen, nicht als Logo-Ersatz verwenden).
So bleibt das Icon-System auch für neue Teammitglieder und externe Dienstleister verständlich.
Praxis-Check: Typische Fehler bei Designsystem-Icons vermeiden
In vielen Projekten tauchen ähnliche Probleme rund um Symbole auf. Ein kurzer Praxis-Check hilft, typische Stolperfallen zu umgehen.
Häufige Probleme und wie man sie erkennt
| Problem | Woran es erkennbar ist | MaĂźnahme |
|---|---|---|
| Inkonsequente Größen | Icons wirken mal zu groß, mal zu klein neben Text | Einheitliches Grid, klare Regeln für Icon-Größen |
| Uneinheitlicher Stil | Outline- und Filled-Icons bunt gemischt | Stilrichtlinie definieren, unnötige Varianten entfernen |
| Schwache Lesbarkeit | Details verschwinden in kleinen Größen | Icons vereinfachen, Details reduzieren, Tests bei 16–24 px |
| Namenschaos | Mehrere Icons mit gleicher Bedeutung, aber anderem Namen | Benennungsliste führen, doppelte Bedeutungen auflösen |
| Fehlende A11y-Labels | Screenreader lesen nur „Button“ oder gar nichts vor | Aria-Attribute und Texte für funktionale Icons ergänzen |
So geht’s: Mini-Checkliste für Icon-Projekte
- Icon-Grundraster, Strichstärke und Stil eindeutig definieren.
- Icon-Bedarf aus Navigation und Funktionen ableiten und dokumentieren.
- Icons als Vektor-Komponenten in Figma oder einem anderen Tool anlegen.
- Saubere SVG-Exports mit klaren Namen und optimiertem Code erstellen.
- Icons als wiederverwendbare Komponenten im Frontend integrieren.
- Barrierefreiheit und Lesbarkeit in kleinen Größen testen.
- Versionierung, Review-Prozess und Dokumentation im Designsystem pflegen.
FAQ zu Designsystem-Icons fĂĽr Web und Apps
Wann lohnt sich ein eigenes Icon-Set statt eines fertigen Packs?
Fertige Icon-Pakete sind praktisch für Prototypen oder kleine Projekte. Ein eigenes Set lohnt sich, wenn die Marke stark visuell auftritt, mehrere Produkte betreut werden oder langfristig ein konsistentes UI-Design aufgebaut werden soll. Ein individuell gepflegtes Set passt besser zur Markenpersönlichkeit und reduziert späteren Anpassungsaufwand.
Sind Icon-Fonts heute noch sinnvoll?
Icon-Fonts waren lange beliebt, weil sie leicht einzubinden waren. Heute sind SVG-Icons meist flexibler: Sie skalieren sauber, lassen sich gezielt anpassen und sind besser für Barrierefreiheit kontrollierbar. Icon-Fonts können noch sinnvoll sein, wenn bestehende Systeme sie einsetzen und ein Umstieg zu aufwendig wäre – für neue Projekte ist ein SVG-basierter Ansatz aber oft die robustere Wahl.
Wie viele Icons braucht ein gutes Designsystem?
Die Anzahl ist weniger wichtig als die Klarheit. Lieber 60 gut definierte, häufig genutzte Icons als 300 Symbole, von denen die Hälfte nie eingesetzt wird. Ein pragmatischer Ansatz: Mit den wichtigsten Navigations- und Aktions-Icons starten, das Set im Alltag beobachten und nur bei realem Bedarf erweitern.
