Adobe XD war lange eine beliebte Lösung für UI- und App-Design. Seit der Fokus von Adobe aber deutlich in Richtung Figma und andere Lösungen wandert, stellt sich für viele Teams die Frage: Wohin mit bestehenden XD-Dateien, Workflows und Prototypen?
Dieser Artikel gibt einen praxisnahen Überblick zu sinnvollen Adobe XD Alternativen, erklärt Stärken und Schwächen und zeigt, wie der Umstieg mit möglichst wenig Reibungsverlust gelingt.
Warum überhaupt von Adobe XD wechseln?
Viele Designer:innen merken bereits, dass sich bei XD wenig bewegt. Updates bleiben aus, neue Funktionen erscheinen kaum noch – ein klares Signal: Es ist Zeit, über einen Wechsel nachzudenken.
Risiken, wenn Projekte zu lange in XD bleiben
Solange XD auf dem Rechner läuft, scheint alles okay. Strategisch sieht es anders aus:
- Keine oder kaum Weiterentwicklung: Neue UI-Trends, Devices und Workflows kommen in XD kaum noch an.
- Steigendes Kompatibilitätsrisiko: Betriebssystem-Updates oder neue Hardware können irgendwann Probleme machen.
- Isolierte Dateien: Kollaboration, Designsysteme und Dev-Handover sind bei vielen Alternativen deutlich moderner.
Wer jetzt umsteigt, kann in Ruhe migrieren – statt irgendwann in Eile reagieren zu müssen.
Welche Anforderungen haben moderne UI-Teams?
Bevor ein neues Tool gewählt wird, lohnt ein kurzer Blick auf die eigenen Anforderungen. Häufige Punkte:
- Gemeinsames Bearbeiten in Echtzeit im Browser oder in der App
- Designsysteme mit Komponenten, Variantensets und Token-Strukturen
- Prototyping mit Interaktionen, Animationen und Zuständen
- Sauberer Handover an Entwickler (Code-Inspektion, Export, Spezifikationen)
- Integration in vorhandene Workflows (z. B. Slack, Jira, Notion, Git-Plattformen)
Wer diese Liste für das eigene Team konkretisiert, findet schneller das passende Tool – ähnlich wie bei einem sauberen System für Designsystem-Komponenten in Figma.
Figma als wichtigste Adobe XD Alternative
Figma ist aktuell die wohl bekannteste Alternative und wird in vielen Agenturen und Produktteams bereits als Standard eingesetzt.
Stärken von Figma für UI- und UX-Design
- Browserbasiert: Läuft auf Windows, macOS, Linux und sogar auf schwächeren Geräten per Browser.
- Echtzeit-Kollaboration: Mehrere Personen arbeiten parallel an einem Layout – ähnlich wie in einem geteilten Dokument.
- Starke Designsystem-Funktionen: Komponenten, Varianten, Auto Layout, Stilbibliotheken.
- Prototyping: Interaktive Flows, Overlays, Smart Animate, Mikrointeraktionen.
- Dev-Handover: Entwickler sehen Maße, Farben, CSS-Snippets und Assets direkt im Browser.
Vor allem Teams, die bereits systematisch mit Komponenten und wiederverwendbaren Elementen arbeiten oder dies planen, profitieren stark – das zeigt auch der Ansatz aus Designsystem-Farben in Figma.
Grenzen und Stolpersteine bei Figma
- Neue Denkmuster: Auto Layout, Variants und Token-ähnliche Strukturen brauchen am Anfang etwas Einarbeitung.
- Abhängigkeit von der Cloud: Offline geht nur mit der Desktop-App, aber nicht vollständig ohne Sync.
- Kosten: Für professionelle Teams lohnt ein kostenpflichtiger Plan, um Projekte und Berechtigungen sauber zu trennen.
Für die meisten XD-Teams ist Figma dennoch die naheliegende Hauptoption, gerade wenn viele Stakeholder ohne Installation per Link schauen und kommentieren sollen.
Weitere Adobe XD Alternativen im Vergleich
Neben Figma gibt es weitere Tools, die sich als Ersatz oder Ergänzung eignen – je nach Plattform, Budget und Workflow.
Sketch – wenn das Team auf macOS setzt
Sketch läuft ausschließlich auf macOS und ist damit vor allem in Agenturen und Designstudios verbreitet, die komplett auf Apple-Hardware setzen.
- Stärken: Lange UI-Design-Tradition, flexible Plugin-Landschaft, klarer Fokus auf Interface-Design.
- Schwächen: Nur macOS, Cloud-Kollaboration weniger nahtlos als in Figma, mehr Setup-Aufwand.
Wer heute neu startet und plattformunabhängig sein will, landet deshalb eher bei Figma oder anderen Web-Lösungen.
Penpot – Open-Source-Alternative für UI-Design
Penpot ist ein browserbasiertes Open-Source-Tool und kann sogar selbst gehostet werden. Das ist spannend für Organisationen mit hohen Datenschutzanforderungen.
- Vorteile: Keine Lizenzkosten, Community-getrieben, Browser-first, On-Premise möglich.
- Nachteile: Teilweise noch weniger ausgereift als Figma, kleinere Community, weniger Integrationen.
Für Teams mit technischer Infrastruktur und Open-Source-Affinität kann Penpot eine sehr attraktive XD Alternative sein.
UXPin, Framer & Co. – Spezialisten für Prototyping
Daneben gibt es spezialisierte Tools wie UXPin oder Framer:
- UXPin: Stark beim High-Fidelity-Prototyping, Logik, Zustände, Design-Systeme auf Enterprise-Niveau.
- Framer: Webflow-ähnlicher Ansatz, kann Design und Produktion enger zusammenbringen, inklusive Hosting.
Wer komplexe Prototypen mit viel Interaktivität oder sogar produktionsnahe Frontends erstellen möchte, sollte diese Tools ebenfalls prüfen.
Bestehende Adobe XD Dateien migrieren
Die wohl wichtigste Frage im Alltag: Was passiert mit bestehenden XD-Dateien? Ein perfekter 1-Klick-Import in andere Tools existiert aktuell nicht, aber es gibt arbeitsfähige Wege.
Von XD zu Figma wechseln: realistische Optionen
Für den Umstieg von Adobe XD auf Figma haben sich im Alltag drei Vorgehensweisen etabliert:
- Neuaufbau kritischer Screens: Für aktuelle Projekte zentrale Screens in Figma nachbauen. Vorteil: Weniger Altlasten, sauberer Start.
- SVG/PNG-Export als Brücke: Elemente aus XD als SVG exportieren und in Figma weiterverwenden. Struktur geht teilweise verloren, aber Icons und einfache Elemente bleiben nutzbar.
- Exporte als Referenz: Bestehende XD-Projekte als PDF/PNG exportieren und in Figma als Hintergrund/Referenz einblenden, um darauf neu zu gestalten.
Gerade beim Aufbau eines neuen Designsystems lohnt es, lieber bewusst neu zu strukturieren, statt fragile Konvertierungen zu jagen.
Welche Projekte tatsächlich migriert werden sollten
Nicht jedes Projekt muss vollständig übertragen werden. Hilfreich ist ein kurzer Check:
- Läuft das Projekt noch aktiv und wird es weiterentwickelt?
- Nutzen andere Teams oder Kund:innen die Dateien regelmäßig?
- Gibt es Elemente, die als Basis für neue Produkte dienen sollen?
Alles, was nur als Archiv dient, kann in XD verbleiben und für den Notfall als PDF/PNG exportiert werden. Aktive und wiederverwendbare Projekte gehören dagegen ins neue Tool.
Checkliste: So wählst du die passende XD Alternative
Der Wechsel des Design-Tools betrifft das ganze Team – deshalb lohnt ein strukturierter Blick, ähnlich wie bei der Auswahl von Shopify Themes. Die folgende kompakte Checkliste hilft bei der Entscheidung.
Entscheidungsbaum für dein nächstes UI-Tool
- Braucht das Team plattformübergreifende Nutzung (Windows, macOS, Browser)?
- Ja → Browser- oder Cloud-Tools prüfen (Figma, Penpot, Framer).
- Nein, nur macOS → Sketch und Figma vergleichen.
- Wie wichtig ist Echtzeit-Kollaboration?
- Sehr wichtig → Figma oder Penpot priorisieren.
- Weniger wichtig → Sketch, UXPin und andere prüfen.
- Spielt der Preis eine große Rolle?
- Ja → Penpot (Open Source) und Figma Free/Starter testen.
- Nein → Features, Integrationen und Support in den Vordergrund stellen.
- Werden komplexe Prototypen mit Logik benötigt?
- Ja → UXPin, Framer oder fortgeschrittenes Figma-Prototyping evaluieren.
- Nein → Standard-Prototyping von Figma, Sketch oder Penpot reicht oft.
Praxis-Tipps für den reibungslosen Umstieg
Ein Toolwechsel ist nicht nur Technik, sondern Veränderung im Alltag. Ein paar bewährte Schritte helfen, Chaos zu vermeiden.
Pilotprojekt definieren und dokumentieren
Statt alles auf einmal umzustellen, bietet sich ein klar abgegrenztes Pilotprojekt an:
- 1 Produkt, 1 Feature oder 1 Kampagne auswählen.
- Typische Workflows abbilden: Wireframes, UI, Prototyp, Feedback, Handover.
- Probleme und Learnings dokumentieren.
Auf Basis dieses Piloten können Regeln entstehen: Namenskonventionen, Komponenten-Struktur, Datei-Organisation – ähnlich systematisch wie beim Aufbau von UX-Wireframes in Figma.
Team onboarden: Schulung, Templates, klare Regeln
Tools sind nur so gut wie die Nutzung im Team. Hilfreich sind:
- Knappe interne Leitfäden: Wie werden Seiten, Frames und Komponenten benannt?
- Start-Templates: Grundlegende Layout-Raster, Typografie, Buttons, Formulare.
- Kurzschulungen oder gemeinsame Sessions, in denen alle denselben Flow einmal durchspielen.
Wichtig ist, dass nicht jede Person „ihr eigenes System“ baut. Stattdessen sollte das neue Tool eine gemeinsame Sprache ermöglichen.
So geht der Wechsel in der Praxis – kompakte Schrittfolge
Zum Abschluss eine knappe Schrittliste, die den Wechsel von XD zu einem neuen Tool greifbar macht.
- Bestandsaufnahme machen: Welche XD-Dateien sind aktiv, welche nur Archiv?
- Anforderungen definieren: Kollaboration, Plattform, Budget, Prototyping-Tiefe.
- 2–3 Tools shortlistieren und mit echten Projektausschnitten testen.
- Ein Pilotprojekt im Favoriten-Tool komplett durchspielen.
- Struktur für Dateinamen, Seiten, Komponenten und Stile festlegen.
- Aktive XD-Projekte nach Wichtigkeit priorisieren und schrittweise migrieren.
- Team schulen, Feedback einsammeln und Regeln bei Bedarf anpassen.
FAQ zu Adobe XD Alternativen
- Ist Adobe XD noch nutzbar?
Ja, viele können XD weiter nutzen, solange das Betriebssystem mitspielt. Für langfristige Planung ist ein Umstieg auf ein aktives Tool aber sinnvoll. - Gibt es einen direkten XD-zu-Figma-Import?
Aktuell gibt es keinen offiziellen verlustfreien 1-Klick-Import. In der Praxis werden SVG/PNG-Exporte und ein gezielter Neuaufbau kombiniert. - Welches Tool ist „am nächsten“ an XD?
Vom Arbeitsgefühl her ist Figma für viele XD-Nutzer:innen die natürlichste Wahl, weil der Fokus ebenfalls klar auf UI-/UX-Design, Prototyping und Kollaboration liegt. - Lohnt sich ein Mix aus mehreren Tools?
Ja, durchaus: Viele Teams nutzen Figma oder Sketch fürs Design und ergänzen bei Bedarf spezialisierte Prototyping-Tools wie UXPin oder Framer.

